Helnwein ( texte )
NEWSARTISTAOPERECRITICASTAMPACONTATTI


La Sorbonne, Université de Paris
Art history Maîtrise thesis
Galia Fischer
GOTTFRIED HELNWEIN –UN CRITIQUE DE LA SOCIÉTÉ
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Gottfried Helnwein : Roter Mund ( Detail )
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Institut: Kunstgeschichte
Klaus Honnef

Curator for Photography and New Media at Rheinisches Landesmuseum, Bonn

Klaus Honnef
Es gibt gewichtige Gründe, um Helnwein als den legitimen Erben Beuys und Warhols zu bezeichnen. Einerseits folgt er in seinen Werken rituellen Mustern, andererseits spielt er mit einer Reihe von künstlerischen Variationen. Er untergräbt die Magie der Bilderwelt, indem er einen Störfaktor einbaut, durch den ein Schock im Verhältnis zwischen dem Kunstwerk und dem Betrachter entsteht. Helnwein vermischt Altes mit Neuem, und sein Stil spiegelt den Beginn der Moderne, aber auch die Welt des Cyberspace wieder. Einen großen Einfluss hat das Wien der sechziger Jahre auf ihn. Auch wird er von der Welt des Comics inspiriert. Helnwein besuchte die 'Höhere Graphische Bundeslehr- und Versuchsanstalt'. Um gegen die tägliche Routine des Klassenzimmers zu protestieren, schnitt er sich mit einer Rasierklinge die Hände auf. Durch diesem Vorfall wurde ihm bewußt, wie hilflos die Gesellschaft auf körperliche Ungerechtigkeit und auf Verletzungen reagiert. Nach dem Abschluss an der 'Graphischen' besuchte er die Wiener Akademie der Künste. Zu dieser Zeit tauchte auch zum ersten mal eines seiner Leitmotive auf: Kinder. Durch das Malen von verletzten Kindern verursachte Helnwein eine Art Schock, und brachte somit den 'Horror' zurück in die Kunst. Damit zeigte er offen den Zynismus einer Gesellschaft, die nicht mehr die Dinge so sieht, wie sie sind, dessen Sichtweise aber durch 'Bilder über Dinge' geprägt ist. ... +

Gottfried Helnwein :
Klaus Albrecht Schröder
Ausstellung "Die lädierte Welt", Realismus und Realismen in Österreich
Kunstforum, Wien
Helnweins Beitrag zu einer Hagiographie des 20.Jahrhunderts
Es läßt sich schwerlich leugnen, daß die Aggressions- und Verletzbarkeitssymbolik von Helnweins bekanntem, mehrfach variierten Selbstportrait mit verbundenem Kopf, den von Wundklammern geblendeten Augen und dem aufgerissenen schreienden Mund etwas von einer selbstevidenten Metapher für eine elementare menschliche Bedingung heutiger Existenz hat.
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Gottfried Helnwein : The Silent Glow of the Avant-Garde I (triptych)
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Peter Gorsen
Die suggestiven Bildmontagen Gottfried Helnweins
In Wirklichkeit ist Helnwein kaum einzuordnen. Bei ihm findet sich ebenso ein kleinmeisterliches Werk skurril-phantastischer Zeichnungen in der Nachfolge von Redon und Kubin. Meist vergessen wird auch sein Engagement gegen autoritäre Erziehung, Wettrüsten, Verschmutzung der Umwelt und Psychiatrie. Helnwein hat die Motive und Formen der Populärkultur in teils karikierender, teils grotesk verfremdender Absicht verwendet. Sein penetranter Hypernaturalismus beunruhigt, grenzt an ironische Übertreibung. Die Brecht-Benjaminsche Maxime "Nicht an das gute Alte anknüpfen, sondern an das schlechte Neue" hat bereits seine Anfänge in den frühen siebziger Jahren bestimmt.
So wurde für ihn das grenzüberschreitende Arbeiten mit Mitteln ebenso der Fotografie, Comic strips, Science-fiction wie der realistischen Malerei eine selbstverständliche Konsequenz.
Helnwein hat den "ruhig theatralischen" Verzückungsgestus seines Selbstbildnisses mit der heroischen Haltung der leidenden Sebastians-Figur verglichen und beides zum Stigma des Künstlers im 20. Jahrhundert, einer quasi religiösen Erlöserfigur, verallgemeinert. Sein poetischer Bildtitel bringt den Betrachter zusätzlich auf die richtige Spur. Die optische Montage des modernen Künstlers als Schmerzensmann mit dem Landschaftsbild Friedrichs projiziert die gescheiterte Hoffnung der romantischen Rebellion auf die Gegenwart, auf das verinnerlichte, masochistisch gewordene Protestdenken der Moderne und ihre ästhetischen Grenzüberschreitungen. Kehrt die Romantik wieder? Nein, sie hat die Moderne in Wahrheit nie verlassen. Doch verengt und verinnerlicht sich ihre Rebellion in den irrationalen "Körpermetaphysiken" der zeitgenössischen Künstler auf das eigene Fleisch und Blut. ... +

Gottfried Helnwein : Sonntagskind  (Sunday's Child)
30. Deutschen Evangelischen Kirchentag
Predigt der Landesbischöfin im Eröffnungsgottesdienst
Dr. Margot Käßmann

Landesbischöfin

Eins zeigt ein Mädchen mit frechem Gesicht und Blindenband um den Arm, das die Zunge herausstreckt. Erst habe ich gelächelt. Wer den Blick länger verharren lässt, sieht, dass dem Mädchen Blut zwischen den Beinen herunterläuft. Es wurde ganz offensichtlich missbraucht, ihm wurde Gewalt angetan.... Ja, Kinder sind verletzbar. Kindheit kann grausam sein, wenn Kinder ausgeliefert sind. Ich denke an sexuellen Missbrauch, eine unglaublich Form von Folter an Menschen, die lebenslang an dem Trauma leiden werden. Ich denke an Kindersoldaten in Togo, im Kongo, im Sudan. Zerstörte Leben, brutal geopfert für idiotische Machtkämpfe, in denen Zerstörung das oberste Gebot ist, in denen es keine Ziele mehr gibt. Ich denke an Kinder in Indien, die schuften schon mit fünf Jahren um ein paar Münzen zu verdienen, damit ihre Familie überleben kann. Ich denke an die 12-jährigen Judith Wischnajatskaja, die im Juli 1942 in ihrem letzten Brief schrieb: “Lieber Vater! Vor dem Tod nehme ich Abschied von Dir. Wir möchten so gerne leben, doch man lässt uns nicht, wir werden umkommen. Ich habe solche Angst vor diesem Tod, denn die kleinen Kinder werden lebendig in die Grube geworfen.“ ... +

Gottfried Helnwein : Black Mirror I
Roland Recht
Chief Curator of Museums, Strasbourg
Musée d’Art Moderne, Strasbourg

France

Helnwein, Der Untermensch
From this it may be seen that the Viennese Helnwein is part of a tradition going back to the 18th century, to which Messerschmidt's grimacing sculptures are to belong, on which one of Freud's pupils wrote a long treatise. One sees, too, the common ground of these works with those of Arnulf Rainer or Nitsch, two other Viennese, who display their own bodies in the frame of reference of injury, pain, and death. And one sees how this fascination with body language goes back to the expressive gesture in the work of Egon Schiele. ... +
Gottfried Helnwein, SELF-PORTRAITS

Gottfried Helnwein :
Peter Selz
Professor Emeritus, Department of Art History, University of California, Berkeley. Former Curator at the Museum of Modern Art in New York and founding director of the Berkeley Art Museum.
Helnwein Monograph

The State Russian Museum, St. Petersburg

Much like Joseph Beuys, who opened new, unexpected, and far-reaching spheres for art, Gottfried Helnwein has made works that extend beyond the art scene into the social and political realm. Like his predecessor, he has moved beyond the realm of pure aesthetics, engaging his art into the everyday world. Furthermore his principal interest is not to express personal feelings and emotions, but to make statements that go beyond the individual. He wants to see his work not trapped on the walls of museums and galleries, but revealed in the public domain. He expects his work to intervene in the social sphere and to have a direct impact on the life of his time. ... +
Gottfried Helnwein, retrospective, the State Russian Museum, St. Petersburg

Gottfried Helnwein : Ali
Yaso magazine, Japan
Yuichi Konno talks with Gottfried Helnwein
Yuichi Konno
Helnwein:
I always thought – how did I end up in a place like this? What was I doing here? The only thing I knew was that this was not home – I didn’t belong here. But who was I then? Where did I come from?
I was a stranger, whose spaceship had crashed on an unknown planet and so was stranded with no possibilities of ever leaving again. Not only did I seem to have lost my orientation through the impact of the crash, but my memory as well, because I had forgotten who I was and where I came from. There was only one thing I was certain of: that this was an alien world in whose merciless embrace I was now caught. It was like the aftermath of a sloppy end of the world, where the few people that had survived, now continued cautiously to vegetate amongst the ruins, hoping to remain unnoticed by the Eternal Judge.
What I didn’t know then was that I had been born shortly after my stupid ancestors had lost the second of the two world-wars that they had caused within the last 30 years – which had turned 1000 years of culture into ashes and annihilated the lives of more than 50 million people
And when I found the photographs of my father, my grandfathers and my uncles all in uniforms of Hitler’s army, I started to ask questions.
Unfortunately, I was speaking either in the wrong tongue or they also suffered amnesia, because I never got any answers. But I was a very insistent child and I never gave up asking, despite the fact that it didn’t get me anywhere.
And then there was this one miraculous moment when I turned 18, this instance of revelation - suddenly I knew there was a way out: I had to become an artist. And I started to paint. I didn’t know much about the art-world and other artists, and I didn’t care about styles and techniques. I just began to formulate my old questions now as images, and step by step I developed my own visual language.
But I was not prepared for the avalanche of emotional reactions that my little watercolor-paintings triggered, I was quite surprised to realize that suddenly I seemed to be in possession of a superior magic language, capable of cutting through everything and reaching deep into the hearts of people and moving and touching them. And to my amazement this nation of mutes started to talk, to respond, to shout, to cry and to whisper. And I found myself in a very emotional and powerful dialogue with a growing number of people, that never stopped and became the momentum and destiny of my life.
When I started to paint I didn’t feel I had any message, my art was not an answer – it was a question. ... +

Gottfried Helnwein :
Faкeл
№2. 2002 год
ТРЕХ ИЗВИЛИНАХ

Russia

В ТРЕХ ИЗВИЛИНАХ
Faкeл: Кто для вас важнее, Адольф Гитлер или Дональд Дак?
Gottfried Helnwein: Конечно, Дональд Дак. Встреча с этим персонажем в возрасте четырех лет была моей первой встречей с великим искусством. Я родился в Вене, оккупированной советскими войсками, сразу после окончания войны. Кругом разбомбленные дома, врослые казались мне разбитыми и угнетенными. Не помню, чтобы в раннем детстве кто-то пел или смеялся. Мир вокруг меня казался немым черно-белым кино в замедленной перемотке. Я чувствовал себя так, будто приземлился на чужой планете, в мире, которому не принадлежу.
Однажды вернувшийся с работы отец бросил на пол передо мной едва ли не первый немецкий перевод комиксов о Дональде Даке. Открыв эту первую в моей жизни книгу комиксов, я открыл дверь в реальный мир. Робко вошел. Я чувствовал себя так, как человек, переживший взрыв на шахте. После долгого пребывания в темноте между жизнью и смертью я вошел в яркий свет Дакбурга, и мои глаза, не привыкшие к такому яркому свету, наполнились слезами. Я глубоко вздохнул, и мои пропыленные легкие наполнились свежим воздухом.
В этом мире все снова обрело свой смысл: люди снова выглядели нормально, у них были желтые утиные клювы или собачьи морды, и каждого из них можно было безо всякого вреда для их здоровья продырявить пулями или раскатать в лепешку гигантским катком. Это был мир красок, скорости, приключений, магии и удивления. Я никогда не отступал назад, в чистилище так называемого "реального мира", и с тех пор Дональд Дак стал для меня неограниченным источником вдохновения. ... +

Gottfried Helnwein : Finishing touches to "Angels Burning"
Niederösterreichisches Landesmuseum
Katalog zur Installation in der Dominikanerkirche Krems, 13.6. - 31.8. 1999
Peter Zawrel

Direktor des Niederösterreichischen Landesmuseums

Apokalypse, eine Installation von Gottfried Helnwein in der Dominikanerkirche in Krems
Zum Wesen der Apokalypse gehört die Zuspitzung aller Gegensätze, die unbedingte Herbeiführung einer Entscheidung. Der Erzengel Michael stürzt den Drachen Satan zur Erde, womit zwar im Himmel der Kampf gegen das Böse entschieden ist, auf Erden jedoch erst jenes Inferno ausgelöst wird, welches Voraussetzung für den Weg durchs Gericht in das "Neue Jerusalem" ist. Für die Ausstellung in der Kremser Dominikanerkirche - zweifelsohne ein Ort, der aufgrund seiner Aura und kulturhistorischen sowie kultischen Bedeutsamkeit die Intensität von Helnweins Bildern noch zu steigern vermag - hat Helnwein verschiedene vorhandene Werke, zurückgehend bis 1986, unter einem bestimmten Aspekt neu gruppiert und mit neuen, für die Ausstellung fertiggestellten Bildern ergänzt. Der von ihm gewählte Titel "Apokalypse" erschließt sich nicht über die Umgangssprachliche Verwendung des Wortes, sondern nur über seine tatsächliche Bedeutung im Sinne von "Offenbarung der letzten Dinge". Diese sind schrecklich, und in Helnweins Bildern führt kein Weg aus der Finsternis der Beklemmung, die sie bewirken. ... +


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