Helnwein ( presse )
previous-INDEX-next


Profil
Vienna
"LEBENSUNWERTES LEBEN" - HELNWEIN'S OPEN LETTER TO EUTHANASIA DOCTOR HEINRICH GROSS
With an open letter and the picture of a dead child lying with its head in a plate of poisoned food "Lebensunwertes Leben" (Life Unworthy of Life) he protests against Austria's number one forensic psychiatrist, the former euthanasia doctor, Dr. Gross, who admitted in an interview that in the Nazi era he had poisoned hundreds of children and called this method of killing humane.

profil, Wien, 1979

Lieber Herr Dr. Gross
Als ich mir "Holocaust" (Die amerikanische Fernsehserie) angeschaut habe, ist mir Ihre Stellungnahme im "Kurier" wieder eingefallen. Und da wir gerade das Jahr des Kindes haben, will ich die Gelegenheit ergreifen und Ihnen im Namen der Kinder, denen unter Ihrer Obhut in den Himmel geholfen wurde, herzlich danken.
Danken dafür, dass Sie nicht "totgespritzt" wurden, wie Sie sich ausdrücken, sondern dass ihnen das Gift lediglich ins Essen gemischt wurde.
.
Mit deutschem Gruss,
.
Ihr Gottfried Helnwein


Gottfried Helnwein : Lebensunwertes Leben
Lebensunwertes Leben 1979
watercolor on cardboard


...The image is painfully tender, the light that glows around the young girl - apart from making her angelic - reflects the revelations of the medical experimentations on children during the war years. The theme of the child was spurred by an interview in an Austrian tabloid in which the country's Head of Psychiatry, Dr. Heinrich Gross, admitted killing children at Vienna's Am Spiegelgrund Paedriatric Unit during the war by poisoning their food. Helnwein painted "Life Not Worth Living" - a water colour of a little girl "asleep" with her
head in her plate; it initiated a nation-wide debate which ultimately led to a court hearing and Gross' resignation.
by Joanna Hayman-Bolt
ART newsroom.com, London
6 December 2000

The man who used his own blood to paint Hitler, The Guardian, London
Tuesday May 16, 2000
Kate Connolly meets Gottfried Helnwein, the Austrian who is still confronting his country's Nazi past

But as with his repressive Roman Catholic upbringing, it seems that Helnwein, born in 1948, will never escape the Nazi theme (in fact, he sees the two traditions as inextricably linked). Spurred into action by an interview in an Austrian tabloid in which the country's top court psychiatrist, Dr Heinrich Gross, admitted killing children at Vienna's Am Spiegelgrund Paediatric Unit during the war by poisoning their food, Helnwein painted Life not Worth Living - a watercolour of a little girl "asleep" on the table, her head in her plate. The painting sparked a nationwide debate that finally led to Gross appearing before a Vienna court in March. The judge ruled Gross was mentally unfit to be tried.
Outside the courtroom I met relatives of his alleged child victims, bearing photographs of them: their bellies distended from drug experimentation, their skulls clamped in head-measuring instruments. The brains of more than 400 of them ended up pickled in jars in the basement of the hospital where Gross experimented on them. Helnwein's first solo show in the UK consists largely of frail and tender formaldehyde-yellow or x-ray-blue images of pre-natal babies and children, reflecting the horror of the Nazi euthanasia programme, but brought close to the 21st century by the freshness of the Gross story. The huge portraits have been reworked from deformed teratological images from Austria's Anatomical Museum.
The Guardian, Kate Connolly, London, May 16, 2000
("GOTTFRIED HELNWEIN, THE MAN WHO USED HIS OWN BLOOD TO PAINT HITLER")



kristallnacht.helnwein.com



Gruesome legacy of Dr Gross, BBC NEWS
Thursday, May 6, 1999 Published at 13:11 GMT 14:11 UK
Austria is preparing to hold its first Nazi war crimes trial for a quarter of a century.

Jon Silverman delves into the Spiegelgrund's maccabre past
An 83-year-old doctor, Heinrich Gross, has been charged with nine counts of murdering children at a psychiatric hospital in Vienna in 1944.

Seven hundred children were murdered there during the war years as part of the Nazi euthanasia programme, intended to eliminate anyone considered to be physically or mentally flawed.
After the war, Dr Gross became Austria's most celebrated forensic psychiatrist and did research on the brains of some of the children he is alleged to have murdered.

NS-Euthanasiearzt Heinrich Gross
Lange hat es gedauert, aber nun kommt tatsächlich Licht ins Dunkel um den hartnäckigen Schutz, den der bis heute tätige Gerichtspsychiater und frühere NS-Euthanasiearzt "Am Spiegelgrund" in Wien, Heinrich Gross, durch die österreichische Justiz seit nunmehr 50 Jahren genießt. Zwei parlamentarische Anfragen des grünen Abgeordneten Karl Öllinger (parlamentaische Materialien 2143/J, 2612/J) und die Antworten des Justizminsters Michalek (2148/AB, 2597/AB), liegen nun vor . Zur Vorgeschichte ausgehend von den Gehirnpräparaten getöteter Kinder lest bitte in TATblatt plus 64 und plus 79 nach.

Folter und Euthanasie im NS-Reich
Folter und Euthanasie im NS-Reich

Nebenwirkung: Kindermord
In Heimen wurden geistig behinderte Jugendliche zu Tode gequält – der österreichische Psychiater Heinrich Gross steht deswegen demnächst in Wien vor Gericht

Tote Kinder wie weggeworfene Puppen.
Karl Fallend
“Am Spiegelgrund” und anderswo: Leben in NS-Erziehungsanstalten.
In: Presse-Spectrum. 25. März 2000
„Ich wunderte mich“ erinnert sich der 68-jährige zurück an seine Kindheit, „daß der Doktor genauso hieß wie ich. Ein Gefühl sagte mir: Mit dem möchte ich auch nicht unbedingt verwandt sein!“ Der elf Jahre alte Johann konnte sich auf sein Gefühl verlassen. Die feindliche Erwachsenenwelt kannte er Schlag auf Schlag, denen er immer wieder zu entfliehen versuchte. Am 8. April 1942 war er zum fünften Mal durchgebrannt. Ohne Chance. Wieder landete er strampelnd in den Fängen der Krankenschwestern und des Arztes, der seinen Namen trug. Gross. Dr. Heinrich Gross. Der Euthanasie-Arzt der Kinderklinik Am Spiegelgrund verabreichte dem überwältigten Jungen zwei Spritzen in die Oberschenkel. Danach kahlgeschoren Kaltwasserdusche und wochenlange Einzelzelle, wo die „Speibinjektionen“ ihre Wirkung taten. Magenkrämpfe, nicht enden wollender Brechreiz und Halsschmerzen vom ständigen Würgen. ‚Was sich nicht biegen läßt, wird gebrochen‘, so die Ärzte. Aber der kleine Johann hatte schon zu viel erlebt und erlitten, als daß die medizinische Tortur seinen Freiheitsdrang hätte erlöschen können: Die Schläge des Leiters der Jugendfürsorgeanstalt Am Spiegelgrund Dr. Johann Krenek; die „Sonderbehandlung“ für Bettnässer durch eiskalte Duschen; die zusammengepferchte Strafgruppe im Keller der Anstalt; die gepeinigten Buben, die ihn mehr an alte erwachsene Männer erinnerten, als an lebenslustige Kinder und schließlich: das zweirädrige Wagerl, das der geisteskranke Hausarbeiter an ihrer Kolonne vorbeizog – „lauter kleine tote Kinder! Wie weggeworfene Puppen lagen sie kreuz und quer ...“ Eine Szene, die Johann Gross bis heute in den Schlaf folgt. Auch der Arzt blieb ihm namensgleich ins Gedächtnis gebrannt, verhaßt wie seine Eltern, die er per Selbstbeschluß mit zehn Jahren nicht mehr haben wollte. „Jetzt, mit 68 Jahren, kann ich behaupten, ich habe meinen damaligen Beschluß das ganze Leben auch gehalten.“
Die bettelnde Mutter verschwand spurlos kurz nach seiner Geburt. Der Vater war Invalide, Analphabet, Alkoholiker. Der Weg in die Kinderübernahmestelle der Stadt Wien war notgedrungen. Mit vier Jahren landete Johann bei einem älteren Ehepaar in Mauerbach und schließlich bei deren Tochter, der ‚Hedi-Tant‘. Sie boten ihm jene geborgene Kinderwelt, an die sich später so süß als eine ‚unbeschwerte‘ erinnern läßt. Wenige Jahre reichten aus, um der Erinnerung an diese Geborgenheit eine Kraft zu verleihen, die stärker war als die Injektionsnadel des Dr. Gross oder der Hosenriemen des Vaters. Dieser bekam wieder das Sorgerecht, als Johann die 2. Volksschulklasse besuchte. Hunger, Suff, Prügel, auch Scham wegen des befohlenen Tschik-Sammelns und Gleichgültigkeit gegenüber den gegrölten HJ-Liedern und der Pimpf-Uniform ersetzten nun die kurze Vergangenheit. Mit der Sammelbüchse für das Winterhilfswerk wollte er unbedingt dorthin zurück. Aber nicht die geliebte Hedi-Tant, sondern der peitschende Obererzieher Heckermann und der sadistische Raffeis übernahmen den Schutzsuchenden in der NS-Erziehungsanstalt in Mödling – dem Hyrtl’schen Waisenhaus. Hier erfuhr Johann was die Erwachsenen meinten, ein „Subjekt“ zu sein, ein „Asozialer“, „minderwertig“ oder ein „Schmarotzer“. Und wenn sich zwei stritten, freute sich Raffeis mit seiner „Einigkeit“ – ein daumendicker, etwa ein Meter langer Stock, der so lange auf die vorgestreckten Hände gedroschen wurde, bis die beiden Streithähne „Einig“ brüllten. Johann floh, immer wieder, bis er schließlich Dr. Gross in die Augen sah, der ihm ‚zur Beruhigung‘, mit spitzer Nadel das Fleisch durchbohrte.
Johann Gross überstand die Folterungen. Nach Kriegsende wurde er Maler und Anstreicher im eigenen Betrieb, hatte zwei Söhne großgezogen und schwieg; versuchte zu verdrängen, was nicht zu verdrängen war. Fersehdokumentationen brachten die unterdrückten Erinnerungen zum Durchbruch. Johann Gross schrieb sie nun auf. Sehr spät und doch noch rechtzeitig. Sogar aktuell.
„Daß der Mitmensch als Gegenmensch erfahren wurde, bleibt als gestauter Schrecken“, schrieb der Überwältigte Jean Améry in seinen Bewältigungsversuchen. Für Johann Gross ist zu hoffen, daß der Schrecken gebannt bleibt. Ab 21. März wird Dr. Heinrich Gross, der nach 1945 als meistbeschäftigter Gerichtsgutachter ein Vermögen machte, wegen neunfachen Mordes vor Gericht stehen. Und auch der kleine Johann wird ihm wieder in die Augen sehen.


Johann Gross
Spiegelgrund.
Leben in NS-Erziehungsanstalten.
Mit einem Vorwort von Christine Nöstlinger
Geb. 158 S., (Ueberreuter)

Die Nachkriegskarriere des Euthanasiearztes Dr. Heinrich Gross

Wolfgang Neugebauer
Die "wissenschaftliche" Verwertung der Opfer der Kindereuthanasie vom "Spiegelgrund" ist untrennbar mit dem Namen Dr. Heinrich Gross verbunden. Sein Fall scheint von der Dimension und Konstellation sowohl in der Medizin- als auch in der Kriminalgeschichte einmalig zu sein. Heinrich Gross, Jahrgang 1915, seit 1932 in der NS-Bewegung, 1939 promoviert und - nach einem kurzen Intermezzo in der Anstalt Ybbs (während der Aktion "T4") - ab November 1940 in der Anstalt "Am Spiegelgrund" tätig. In dieser in der Wiener Heilanstalt "Am Steinhof" angesiedelten "Kinderfachabteilung" wurde 1940-1945 die NS-Kindereuthanasie durchgeführt, der mehr als 700 geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche zum Opfer fielen. Der an diesen Tötungshandlungen maßgeblich mitwirkende Heinrich Gross dürfte zu jenen vornehmlich jüngeren Ärzten gehört haben, die über den Tötungsauftrag hinaus die Situation zu "wissenschaftlichen" Zwecken ausnützten. Erst die Befreiung Österreichs durch die Alliierten 1945 beendete das medizinische Morden und das "Forschen" an Kindern und Jugendlichen, und die damals für die Behörden greifbaren Verantwortlichen und Beteiligten an den Psychiatriemorden wurden von der 1945/46 konsequent agierenden Justiz zur Verantwortung gezogen. Diese antifaschistisch geprägte Phase der österreichischen Nachkriegsentwicklung und -justiz wurde jedoch im Zuge des Kalten Krieges schon bald von einer lang anhaltenden Periode der Reintegration der ehemaligen Nationalsozialisten und der Dominanz der "Kriegsgeneration" abgelöst. Diese gesellschaftlich-politische Grundströmung kam auch dem Euthanasiearzt Dr. Heinrich Gross zugute. Nachdem Gross infolge sowjetischer Kriegsgefangenschaft bis Ende 1947 die für NS-Täter in Österreich gefährlichen Jahre 1945/46 überstanden hatte, versuchte er wie viele andere wegen Kriegsverbrechen gesuchte Nazis unterzutauchen, wurde 1948 verhaftet und vom Volksgericht Wien 1950 zu zwei Jahren schweren Kerker verurteilt. Die Verurteilung erfolgte lediglich wegen Totschlags (nach � 212 RStG), da die Rechtssprechung (damals und danach bis 1997) davon ausging, daß an Geisteskranken oder -schwachen kein heimtückischer Mord begangen werden könne, da den Betroffenen "die Einsicht fehlte". Vom Vorwurf der Mitgliedschaft und Tätigkeit für die illegale NSDAP wurde Gross freigesprochen, weil den entlastenden Aussagen von NS-Funktionären höhere Beweiskraft zugebilligt wurde als den belastenden Dokumenten aus der NS-Zeit. Nachdem dieses Urteil wegen Widersprüchlichkeiten vom OGH aufgehoben und an die Erstinstanz zurückverwiesen worden war, zog die Staatsanwaltschaft Wien den Strafantrag zurück, und das Verfahren wurde 1951 eingestellt.
Damit stand der weiteren Karriere des Euthanasiearztes Dr. Heinrich Gross nichts mehr im Wege; denn politische oder ethische Bedenken, mit einem Mann mit solcher Vergangenheit zusammenzuarbeiten, dürften bei KollegInnen und Vorgesetzten nicht bestanden haben. Wie viele andere ehemalige Nazis begab er sich unter die Fittiche einer Großpartei, der SPÖ, der er 1953 beitrat. Insbesondere im Bund Sozialistischer Akademiker (BSA) stieß Gross auf viele ehemalige Gesinnungsfreunde. 1965 gehörte er dem Komitee für die Wiederwahl von Bundespräsident Franz Jonas an. Seine medizinische Laufbahn setzte Dr. Gross ab 1951 in der (städtischen) Nervenheilanstalt Rosenhügel fort. 1955 schloß er seine Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie ab, und im selben Jahr kehrte er an die Heil- und Pflegeanstalt der Stadt Wien "Am Steinhof" zurück. Bereits 1957 fungierte Dr. Gross als Primarius einer Abteilung und Leiter des Neurohistologischen Laboratoriums. Auf der Stätte seiner Euthanasietätigkeit wurde ihm zu günstigsten Bedingungen auch eine große Wohnung überlassen, die er bis Mitte 1997 innnehatte. Aufgrund einer Empfehlung des Psychiatrieprofessors Erwin Stransky wirkte Gross seit 1958 als Gutachter und wurde zum meistbeschäftigten und damit bestverdienenden Gerichtspsychiater Österreichs. Allein bis 1978 schafft er nach eigenen Angaben 12 000 Gutachten.
1952 begann Dr. Heinrich Gross mit der Publikation wissenschaftlicher Arbeiten, wobei er ungeniert die von ihm mitgeschaffenen Gehirnpräparate aus der NS-Zeit benützte. Daß diese Präparate - die Zahlenangaben differieren zwischen 700 und 1100, derzeit sind es noch über 400 - überhaupt aufbewahrt und dem an den Tötungshandlungen Mitbeteiligten zur Verfügung gestellt wurden, zeigt nicht nur welche grundsätzliche Einstellung zu Opfern und Tätern damals vorherrschend war, sondern ist auch ein Indiz für das Vorhandensein ärztlicher Seilschaften aus der NS-Zeit. 1968 wurde ein eigenes Ludwig Boltzmann-Institut (LBI) zur Erforschung der Mißbildungen des Nervensystems errichtet, das ad personam Dr. Heinrich Gross geschaffen wurde und dessen Leitung dieser übernahm. Bereits vorher, 1964/65, hatte Dr. Gross (letztlich staatliche) Förderungsmittel der Boltzmann-Gesellschaft für ein Projekt "Hirnmißbildungen" erhalten; auch wissenschaftliche Fonds der Stadt Wien förderten seine Publikationen. 1959 erhielt Gross für seine wissenschaftliche Tätigkeit einen Preis aus der SPÖ-nahen Theodor Körner-Stiftung.
Bei der Auswertung des von ihm immer wieder als (weltweit) "einmalig" bezeichneten "Materials" bemühte sich Dr. Gross um Zusammenarbeit mit der medizinischen Fakultät. Im besonderen pflegte er eine weit zurückreichende Kooperation mit dem Neurologischen Institut der Universität Wien, wo er seit 1953 mit dem Institutsvorstand Univ. Prof. Dr. Hans Hoff, einem Verfolgten des NS-Regimes, dem damaligen Assistenten (späteren Professor, Institutsvorstand und Rektor) Dr. Franz Seitelberger, einem ehemaligen SS-Angehörigen, und Dr. Kurt Jellinger, dem jetzigen Leiter des ehemaligen Gross-LBI, zusammenarbeitete. Von den nachweislich 35 auf "Spiegelgrund"-Opfern basierenden wissenschaftlichen Arbeiten von Heinrich Gross sind sieben mit K. Jellinger, zwei mit F. Seitelberger und eine mit H. Hoff gemeinsam publiziert worden. Gross� Bemühungen, sich an der medizinischen Fakultät der Universität Wien mit einer Arbeit über "Sehnervenatrophie infolge Turmschädelbildung" 1962 zu habilitieren, scheiterten, als die Herkunft der verwendeten Gehirnschnitte von NS-Opfern bekannt wurde. Ebenso konnte er seine Ambition, Direktor des Psychiatrischen Krankenhauses zu werden, nicht verwirklichen. Ungeachtet seiner NS-Vergangenheit, seiner gerichtsanhängigen Involvierung in Tötungshandlungen und der ethischen Fragwürdigkeit seiner wissenschaftlichen Arbeiten zeichnete die Republik Österreich Dr. Heinrich Gross 1975 mit einem hohen Orden, dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, aus.
Die in den Jahren 1979-1981 vor sich gehende öffentliche Kontroverse mit Dr. Werner Vogt, dem Wortführer der Arbeitsgemeinschaft Kritische Medizin, die mit einer katastrophalen juristischen und moralischen Niederlage für Dr. Heinrich Gross endete, führte zum Karrierebruch für den nun der Mitbeteiligung an Tötungshandlungen gerichtlich überführten Euthanasiearzt. Aus der SPÖ wurde Gross ausgeschlossen; als beamteter Arzt des PKH 1981 pensioniert. 1981 wurde das von Gross geleitete LBI zur Erforschung der Mißbildungen des Nervensystems mit dem LBI für klinische Neurobiologie zusammengelegt; 1989 mußte Dr. Gross unter dem Druck des Wissenschaftsministeriums seine Leiterfunktion zurücklegen.
Aufgrund von Aktenfunden in einem ehemaligen Stasi-Archiv in Berlin, die die freiwillige Mitwirkung von Gross (während eines Wehrmachtsurlaubs) an der Kindereuthanasie beweisen, und der neuen Erkenntnisse der Göttinger medizinhistorischen Dissertation von Matthias Dahl über die Kinderklinik Spiegelgrund erstattete das DÖW 1995 und 1997 Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft Wien wegen Verdachts des Mordes. Nicht zuletzt unter dem Eindruck des großen medialen Interesses im In- und Ausland und klarer politischer Stellungnahmen in der Nationalratsdebatte am 5. 6. 1997 wurde die beantragte Einstellung des Verfahrens vom Justizministerium abgelehnt und 1998 eine Voruntersuchung beim Landesgericht für Strafsachen Wien eingeleitet, die nach sorgfältigen Erhebungen und Erstellung wissenschaftlicher Gutachten Anfang 1999 abgeschlossen wurde. Ob nun eine Anklage und letztlich ein Prozeß zustandekommen, ist noch offen. Jedenfalls ist diese Entwicklung auch ein Ausdruck dafür, daß sich die Einstellung von Justiz, Medien und Politik gegenüber NS-Verbrechen in Richtung größere Sensibilität und Seriosität verändert hat.

Die Kinder des Dr. Gross - Ein Schaustück - eine Auseinandersetzung mit der Kindereuthanasie in der NS-Zeit
Walter Gschwandtner

Zur Geschichte der NS-Euthanasie in Wien
Wolfgang Neugebauer
Ansprache anlässlich der Präsentation von: Eberhard Gabriel, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.), Von der Zwangssterilisierung zur Ermordung. Zur Geschichte der NS-Euthanasie in Wien, Teil II (B�hlau, Wien 2002) in Wien, 24. 4. 2002



1979 Profil



ENGLISHDEUTSCHFRANCAISITALIANOESPANOLCESTINAPOLSKIRUSSIANCHINESEJAPANESE
Helnwein : presse
NEWS [
News Update
]
ARTIST [
Studio
Biography
Exhibitions
Collections
Bibliography
]
WORKS [
selected Works
]
TEXTS [
Selected Authors
English Texts
International Texts
]
PRESS [
Selected Articles
English Press
>International Press
Internet
]
CONTACT [
Guestbook
E-mail
Links
]