Helnwein ( texte )
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Gottfried Helnwein : Face it
Verlag Christian Brandstätter
Wien
Lentos Museum of Modern Art, Linz
Konsequent und virtuos. Technische Meisterschaft und auch die Konsequenz einer packenden sozialkritischen Thematik offenbaren sich in dieser Ausstellung: Gewalt, Schmerz, Verletzung werden dargestellt. Den Körper ebenso wie die Psyche betreffend. Helnwein dokumentiert hier in Linz einen künstlerischen Reifegrad, der eine weitere Steigerung kaum vorstellbar macht. Seine Eingriffe sind von einer schmerzhaften Unmittelbarkeit, deren emotionale Energie weit über die großen Bildformate hinaus den Raum und sein Publikum ergreift. (Irene Judmayer - Oberösterreichische Nachrichten) ... +

Gottfried Helnwein : Selektion - Neunter November Nacht
Kunstmuseum Lentos Linz
Lentos Museum of Contemporary Art
Stella Rollig

Direktorin

„In memory of the children of Europe who have to die of cold and hunger this Xmas“, schreibt der nach London emigrierte österreichische Maler Oskar Kokoschka im Winter 1945 auf den Entwurf zu einem Plakat. Auf eigene Kosten lässt er 5000 Stück drucken und in U-Bahn-Stationen affichieren.
Im Spätherbst 1988 montiert der ins Rheinland emigrierte österreichische Maler Gottfried Helnwein entlang einer 100 Meter langen Wand zwischen Kölner Dom und Museum Ludwig eine Reihe von vier Meter hohen Fotodrucken mit Kindergesichtern. Er nennt die Arbeit „Selektion (Neunter November Nacht)“. Es ist ein Werk von monströser Aussage und schmerzhafter Wirkung. Sein Titel ruft den Jahrestag der sogenannten Reichskristallnacht in Erinnerung, durch ihn gibt Helnwein den Kinderporträts ihren beinahe überwältigend erschütternden Effekt.
Während wir mit Gottfried Helnwein seine Ausstellung für das Lentos Kunstmuseum vorbereiten, recherchiere ich gleichzeitig für ein anderes Projekt über Kokoschka. Die Geschichte der Londoner Plakate ist mir neu. Unbeabsichtigt und unerwartet blenden sich die beiden Künstler-Leben für einen kurzen, berührenden Moment ineinander. Mit beträchtlichem Einsatz an Gestaltungskraft, Kommunikationsfähigkeit, organisatorischer Erfahrung, Umsetzungsenergie und finanziellen Mitteln widmen sich beide Künstler aus gegebenem Anlass einem Appell: Zur Erinnerung! ... +

Lentos Museum of Contemporary Art Linz
"FACE IT", Gottfried Helnwein
Nava Semel

Israel

Essay zur Ausstellung "FACE IT", Gottfried Helnwein
Das Mädchen krachte durch mein Browser-Fenster und der Text, an dem ich gerade arbeitete, begann auf meinem Monitor zu zittern. Dieses Bild hatte einen Cybersprung zu mir geschafft:
Von einer Londoner Galerie bis nach Israel.
Zwei Jahre lang war ich in die Arbeit an meinem Buch "Und die Ratte lacht" vertieft gewesen, dessen Kern die Erinnerung an den Holocaust und ihre Überlieferung durch die Generationen bis 2099 ist. Meine Protagonistin war ein kleines Mädchen, das in diesen dunklen Zeiten in einer Kartoffelgrube versteckt wurde, schwere Misshandlungen erlitt und überlebte. Und jetzt erschien dieses Mädchen plötzlich vor mir. Eine klare Vision, die auf mysteriöse Art und Weise meine eigenen, kleinen Worte ergänzte. Das verschlossene, reine Gesicht - betend oder verzweifelnd - und ein Hauch einer Träne, kaum sichtbar, im Winkel ihres Auges. Dieses Mädchen mit geschlossenen Augen, dessen Erinnerungen in den Gräben ihres Gehirns geistern, platzte auf unerklärliche Weise in mein Leben. Und heftiges Mausklicken brachte mich schließlich zum Namen jenes Mannes, der mein Grubenmädchen gemalt hatte – Gottfried Helnwein. ... +

30. Deutschen Evangelischen Kirchentag
Predigt der Landesbischöfin im Eröffnungsgottesdienst
Dr. Margot Käßmann

Landesbischöfin

Eins zeigt ein Mädchen mit frechem Gesicht und Blindenband um den Arm, das die Zunge herausstreckt. Erst habe ich gelächelt. Wer den Blick länger verharren lässt, sieht, dass dem Mädchen Blut zwischen den Beinen herunterläuft. Es wurde ganz offensichtlich missbraucht, ihm wurde Gewalt angetan.... Ja, Kinder sind verletzbar. Kindheit kann grausam sein, wenn Kinder ausgeliefert sind. Ich denke an sexuellen Missbrauch, eine unglaublich Form von Folter an Menschen, die lebenslang an dem Trauma leiden werden. Ich denke an Kindersoldaten in Togo, im Kongo, im Sudan. Zerstörte Leben, brutal geopfert für idiotische Machtkämpfe, in denen Zerstörung das oberste Gebot ist, in denen es keine Ziele mehr gibt. Ich denke an Kinder in Indien, die schuften schon mit fünf Jahren um ein paar Münzen zu verdienen, damit ihre Familie überleben kann. Ich denke an die 12-jährigen Judith Wischnajatskaja, die im Juli 1942 in ihrem letzten Brief schrieb: “Lieber Vater! Vor dem Tod nehme ich Abschied von Dir. Wir möchten so gerne leben, doch man lässt uns nicht, wir werden umkommen. Ich habe solche Angst vor diesem Tod, denn die kleinen Kinder werden lebendig in die Grube geworfen.“ ... +

Gottfried Helnwein : Roter Mund ( Detail )
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Institut: Kunstgeschichte
Klaus Honnef

Curator for Photography and New Media at Rheinisches Landesmuseum, Bonn

Klaus Honnef
Es gibt gewichtige Gründe, um Helnwein als den legitimen Erben Beuys und Warhols zu bezeichnen. Einerseits folgt er in seinen Werken rituellen Mustern, andererseits spielt er mit einer Reihe von künstlerischen Variationen. Er untergräbt die Magie der Bilderwelt, indem er einen Störfaktor einbaut, durch den ein Schock im Verhältnis zwischen dem Kunstwerk und dem Betrachter entsteht. Helnwein vermischt Altes mit Neuem, und sein Stil spiegelt den Beginn der Moderne, aber auch die Welt des Cyberspace wieder. Einen großen Einfluss hat das Wien der sechziger Jahre auf ihn. Auch wird er von der Welt des Comics inspiriert. Helnwein besuchte die 'Höhere Graphische Bundeslehr- und Versuchsanstalt'. Um gegen die tägliche Routine des Klassenzimmers zu protestieren, schnitt er sich mit einer Rasierklinge die Hände auf. Durch diesem Vorfall wurde ihm bewußt, wie hilflos die Gesellschaft auf körperliche Ungerechtigkeit und auf Verletzungen reagiert. Nach dem Abschluss an der 'Graphischen' besuchte er die Wiener Akademie der Künste. Zu dieser Zeit tauchte auch zum ersten mal eines seiner Leitmotive auf: Kinder. Durch das Malen von verletzten Kindern verursachte Helnwein eine Art Schock, und brachte somit den 'Horror' zurück in die Kunst. Damit zeigte er offen den Zynismus einer Gesellschaft, die nicht mehr die Dinge so sieht, wie sie sind, dessen Sichtweise aber durch 'Bilder über Dinge' geprägt ist. ... +

Museum of Tolerance, Simon Wiesenthal Center
Gottfried Helnwein - Ninth November Night
Von Jonathon Keats

Übersetzung aus dem Englischen: Ralph Herscu

„Meine Kunst gibt keine Antworten,” hat Helnwein gesagt. “Sie stellt Fragen.” Seine Arbeiten lassen bewusst vieles offen, und genau wie Goyas Serie „Desastres de la Guerra“ (Die Schrecken des Krieges), werfen sie immer wieder die Frage auf: „Wie konnte das nur passieren?” Manchmal reagieren die Betrachter in unbeabsichtigter Weise und verunstalten Bilder von unschuldigen Kindern.
Aber selbst solche Reaktionen führen nur dazu, dass man umso eindringlicher fragt: „Wie konnte das nur passieren?” Schließlich sieht man ein, dass es keine klare Antwort auf diese Frage gibt, denn Hass kennt keine Gründe.
Helnwein arbeitet in den unterschiedlichsten Kunstformen wie Malerei, Bildhauerei, Performancekunst und Fotografie, welche auch die Grundlage für eines seiner bis jetzt kühnstes Projekte war: „Neunter November Nacht“, seine Installation in Köln zur fünfzigste Wiederkehr der Reichskristallnacht. ... +

Die Angewandte, Ordinariat für Kunstgeschichte
Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften - Kunstpädagogik
Peter Gorsen

o.Univ.-Prof. Dr. phil.

Gottfried Helnwein, der Künstler als Agressor und vermaledeiter Moralist, S. 10-19, in: Helnwein, Arbeiten von 1970-1985, Graphische Sammlung Albertina, Wien, 3.4.-5.5.1985, Wien 1985. ... +

TEATRO SAN MARTIN, Buenos Aires
von RODRIGO M. MALMSTEN
Der Argentinier Rodrigo M. Malmsten hat, inspiriert durch die Bilder Gottfried Helnweins, das Theaterstück "KLEINES HELNWEIN" geschrieben. Es wurde 2000 in Buenos Aires uraufgeführt TITULO DE LA OBRA: KLEINES HELNWEIN Es una Coproduccion con el Teatro General San Martin ... +

FAZ
Antje Vollmer

Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages

Antje Vollmer: Zur Sloterdijk-Debatte
Die Reihe der großen Namen ist lang, die in den letzten Jahren in Verdacht und Verruf gerieten.
Botho Strauß, Anselm Kiefer, Martin Walser, Hans Magnus Enzensberger, Gottfried Helnwein, Peter Handke
- ihnen allen wurde "gefährliches Denken", Abdriften in "Untiefen" oder "Fischen im Trüben" vorgeworfen, wenn man sie nicht gleich verdächtigte, "faschistoid" zu denken, zu malen oder zu schreiben. ... +
Antje Vollmer: Zur Sloterdijk-Debatte. Berlin, 27.09.1999

Gottfried Helnwein : Finishing touches to "Angels Burning"
Niederösterreichisches Landesmuseum
Katalog zur Installation in der Dominikanerkirche Krems, 13.6. - 31.8. 1999
Peter Zawrel

Direktor des Niederösterreichischen Landesmuseums

Apokalypse, eine Installation von Gottfried Helnwein in der Dominikanerkirche in Krems
Zum Wesen der Apokalypse gehört die Zuspitzung aller Gegensätze, die unbedingte Herbeiführung einer Entscheidung. Der Erzengel Michael stürzt den Drachen Satan zur Erde, womit zwar im Himmel der Kampf gegen das Böse entschieden ist, auf Erden jedoch erst jenes Inferno ausgelöst wird, welches Voraussetzung für den Weg durchs Gericht in das "Neue Jerusalem" ist. Für die Ausstellung in der Kremser Dominikanerkirche - zweifelsohne ein Ort, der aufgrund seiner Aura und kulturhistorischen sowie kultischen Bedeutsamkeit die Intensität von Helnweins Bildern noch zu steigern vermag - hat Helnwein verschiedene vorhandene Werke, zurückgehend bis 1986, unter einem bestimmten Aspekt neu gruppiert und mit neuen, für die Ausstellung fertiggestellten Bildern ergänzt. Der von ihm gewählte Titel "Apokalypse" erschließt sich nicht über die Umgangssprachliche Verwendung des Wortes, sondern nur über seine tatsächliche Bedeutung im Sinne von "Offenbarung der letzten Dinge". Diese sind schrecklich, und in Helnweins Bildern führt kein Weg aus der Finsternis der Beklemmung, die sie bewirken. ... +


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