Helnwein ( texte )
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Gottfried Helnwein : Neunter November Nacht
Ludwig Museum, Cologne
Museum Ludwig, Cologne, September 17. - November 3. 1988
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Gottfried Helnwein : Selektion - Ninth November Night
Charles-Henri Favrod
Director Musée de l'Elysée Lausanne
"Ninth November Night" Catalogue
»Im Kampf gegen den Juden verteidige ich das Werk des Herrn!« Das sagt Hitler in Mein Kampf, Bereits im April 1933 organisiert die SA eine Boykottkampagne gegen jüdische Geschäfte, und ein Erlaß verbietet die Verbeamtung von Juden. Am 15. September 1935 entziehen die Nürnberger Gesetze den Juden die deutsche Staatsangehörigkeit, verbieten die Eheschließung und außereheliche Beziehungen zwischen Juden und Ariern. Im Laufe der folgenden Jahre werden Juden von freien Berufen ausgeschlossen. ... +
Gottfried Helnwein, INSTALLATION, "NINTH NOVEMBER NIGHT", AT THE MUSEUM LUDWIG

Catalogue "Ninth of November Night"
With the Installation "Ninth of November Night" Gottfried Helnwein wanted to remind us of the "Reichskristallnacht", November 9th to 10th, 1938. He has consciously foregone using documentary archive material. He is chiefly interested in the attitude behind the catastrophe, the roots of the holocaust - the delusion that one is able to measure the worthiness or unworthiness of humans by the form of the nose and ears, by the hair and colour of the eyes. ... +
Gottfried Helnwein, Installation between Museum Ludwig and the Dome of Cologne

Gottfried Helnwein :
GOTTFRIED HELNWEIN, Neunter November Nacht
Reinhold Mißelbeck

Kurator für Fotografie und neue Medien, Museum Ludwig Köln

Es war ein Glücksfall, daß Gottfried Helnwein ebenfalls danach strebte, aus dem Museums- und Galeriebetrieb auszubrechen, um eine größere Öffentlichkeit anzusprechen. An einem Ort wie dem zwischen Dom und Museum Ludwig und einer Zeit wie der photokina mit ihren Hunderttausenden von Besuchern war diese Möglichkeit in hohem Maße gegeben. Die 100 Meter lange Bilderwand verfehlte ihre Wirkung nicht. Sie löste Betroffenheit, aber auch Aggressivität aus, Nach wenigen Tagen schon waren zahlreiche Bilder aufgeschnitten, eines sogar entwendet. Gottfried Helnwein verstand die Ausstellung seiner Arbeiten und die Reaktion des Publikums als einen Prozeß, der sich in späteren Präsentationen niederschlagen und fortsetzen sollte. Die Bilder wurden nicht erneuert, sondern geflickt, so daß dieses Mahnmal der Judenverfolgung auf seiner nächsten Vorstellung in Lausanne bereits die Spuren mangelnder Einsicht und des Unverstandes in der heutigen Zeit trägt. ... +
Gottfried Helnwein, INSTALLATION, "NINTH NOVEMBER NIGHT", AT THE MUSEUM LUDWIG, cologne

Gottfried Helnwein :
Simon Wiesenthal
Gottfried Helnwein, Neunter November Nacht

Museum Ludwig Köln

Nicht einmal vor den Kindern wurde haltgemacht, auch sie fielen der Vernichtung zum Opfer, Es war die bestechende Idee von Gottfried Heinwein, die Konsequenzen dieser »Zeit ohne Gnade« so unkonventionell darzustellen. Er verwendete keine Fotos von Leichenbergen; Kinderbilder zwingen den Betrachter, stehen zu bleiben und sich diesem Gedanken zu stellen.
Die Wut der Neonazis, mit der sie auf diese Bilder reagiert haben, ist verständlich, es ist dieselbe Wut, mit der sie seit Jahren gegen das Tagebuch der Anne Frank kämpfen, denn die Ermordung von Kindern wird in jedem Menschen - mag er ideologisch noch so irre geleitet sein - Abscheu und Widerspruch erwecken. ... +
Gottfried Helnwein, INSTALLATION, "NINTH NOVEMBER NIGHT", AT THE MUSEUM LUDWIG

Gottfried Helnwein : Helnwein - der Untermensch
Edition Braus
Heidelberg
Peter Gorsen, Heiner Müller
Selbstportraits 1970 - 1987
Einzelausstellung im Museum of Modern Art, Strasbourg
“Helnwein – der Untermensch”
Edition Braus, Heidelberg 1988 ... +

Gottfried Helnwein : self-portrait as sub-human II
Peter Gorsen
Ordinariat für Kunstgeschichte an der Universität für angewandte Kunst, Wien
Der Untermensch

Edition Braus

Zum Selbstbildnis bei Gottfried Helnwein
Gleichzeitig mit den ab 1969 gemalten Bildnissen verletzter und mißhandelter Kinder wird um 1971/72 das bandagierte Kind als die neben dem Künstler wichtigste und mit ihm verbündete Märtyrerfigur in der Aktion dargestellt. Es verkörpert den unschuldigen, wehrlosen, der Gewalt ausgelieferten, geopferten Menschen. Als unschuldigem "Lichtkind", dessen Verletzungen an Kopf und Händen Lichtstrahlen wie selbstleuchtende Stigmen aussenden, wird him die gleiche Heroisierung zur Dulder- und Erlöserfigur wie dem Künstler zuteil. In einer Fotosequenz von 1972 wird diese Lichtmystik auf das Selbstbildnis des Märtyrer-Künstlers ausdrücklich übertragen. Die Wundmale und Knebelungen des Gesichtes verwandeln sich in den mit einer Grattage-Technik bearbeiteten Grimassenfotos zu weiß strahlenden Leuchtspuren.
Das Gruppenbildnis mit Kindern wird Helnwein, wie auch seine zahlreichen Aktionen mit Kindern in der Öffentlichkeit zeigen, künftig nicht mehr loslassen. Sein Eintreten für die Rechte des Kindes grenzt sich ab von jeder Kindertümelei, die in einer gesellschaftlich ausgegrenzten "Kinderkultur", den kommerzialisierten "Kindermedien", in Kind als pädagogischem Objekt und in der ideologischen Verklärung der eigenen Kindheit durch die Erwachsenen ihren Ausdruck findet.
Abgrenzbar ist Helnwein auch vom Wiener Aktionismus, wenn er den Körper des Kindes nicht zum ästhetischen Material (wie in den "Materialaktionen" von Günter Brus, Hermann Nitsch und Otto Muehl) nivelliert, sondern ihm eine symbolische Stellvertreterfunktion für den wehrlosen, geopferten Menschen verleiht. Dem sexualistischen Verständnis des Kindes im (Freud rezipierenden) "Wiener Aktionismus" setzt der Moralist und Weltverbesserer Helnwein die geschlechtslose Heilsgestalt des Kindes entgegen.
Die Tendenz zur patriarchalen Verklärung und Idealisierung eines unschuldigen, opferbereiten Kindmenschen, der Kinder und Künstler als einzige kreative Interessengemeinschaft umfaßt, während der weibliche Mensch ausgescholossen bleibt und in den Geltungsbereich der übrigen ästhetischen Objekte fällt, unterscheidet Helnweins Bildwelt wesentlich von Pansexualismus und Triebanarchismus der einstigen Wiener Aktionsgruppe. Das idyllische Gruppenbild des Künstlers als Schmerzensmann mit malträtierten Kindern hat auch einen lebensgeschichtlichen, autobiographischen Aspekt, seitdem die eigenen aufwachsenden Kinder Cyril, Mercedes und Ali zu Modellen der Live- und Fotoaktionen avanciert sind. ... +
Peter Gorsen über Gottfried Helnwein anlässlich der Ausstellung "Der Untermensch, - die Selbstbilnisse von Gottfried Helnwein" im Musée d’Art Moderne, Strasbourg, December 1986

Gottfried Helnwein : self-portrait as sub-human I
Peter Gorsen
"Der Untermensch"

Edition Braus, Heidelberg

Gottfried Helnwein in his self-portraits
Je est un autre, RIMBAUD.
Helnwein compared the "quietly theatrical" ecstatic attitude of his self-portrait with the heroic pose of the figure of the suffering figure of Sebastian and generalizes both to the stigma of the artist in the 20th century, making him a kind of saviour figure. In addition, its poetic title sets the viewer onto the right track. The visual montage of the modern artist as Man of Sorrows with Friedrich's landscape painting projects the dashed hopes of the romantic rebellion into the present, to the protest thinking of modernity, which has become introverted and masochistic, and its crossing of aesthetic boundaries. Is romanticism making a comeback? No; actually, it had never left modernity. But its rebellion is confining and introverting itself in the "body metaphysics" of contemporary artists to its own flesh and blood. ... +
Gottfried Helnwein, One Man Show at the Museum of Modern Art, Strasbourg

Gottfried Helnwein : Lady Macbeth
Die Zeit
Rolf Michaelis
Choreographisches Theater in Heidelberg. "Macbeth" von Johann Kresnik und Gottfried Helnwein
Es gelingt Kresnik und Helnwein uns mit einer grausigen Mord-Ballade zu fesseln, die mit höhnischem Gelächter vor unseren Augen vorbeirast - wobei der schon dem Tod geweihte neue Herrscher statt der Krone eine zwar goldene, aber noch Narren-Kappe wie eine Tiara trägt.
Sieger, so die Botschaft, gibt es im tödlich närrischen Kampf um die Macht nicht. Sieger in Heidelberg sind, in einer glanzvoll wüsten Inszenierung: Gottfried Helnwein, Johann Kresnik und das mitreißend auftrumpfende Ensemble von siebzehn Tänzerinnen und Tänzern. ... +
Gottfried Helnwein, Stage and Costumes for "Macbeth", byJohann Kresnik's Choreographic Theatre , Heidelberg, 1988

Picus Verlag, Wien
Herausgegeben von Ottokar Uhl
Herbert Muck
Kunstwerke und religiöse Vorstellungen des 20. Jahrhunderts
Das Bild des Menschen in der Leidensnot, des unschuldig Verfolgten und Gequälten, das aus der Kunstgeschichte in zahllosen Märtyererszenen bekannt ist, entsteht immer wieder neu. In den Zahnwehbildern von Oswald Oberhuber und in den Bildern von Gottfried Helnwein ist Betroffenheit über Schmerz und Ausweglosigkeit in der Situation des Kindes dargestellt. Das Kind ist die Gestalt des Unterlegenen, Abhängigen, Ausgelieferten und Ausgenützten. Unter dem Druck einer auf Anpassung drängenden Erwachsenenwelt werden ihm tiefe Verletzungen eingeprägt, entstellende Traumata.
Die Bandagen bei Helnwein oder schon zuvor bei den Wiener Aktionisten (Schwarzkoglers Bandagenaktionen) verweisen sowohl auf die Entstellung des Körpers wie auf das Verborgene dieser Verletzungen. Sie üben auf dem Hintergrund einer Tabuisierung von Verwundung, Behindertenexistenz und Tod eine starke Wirkung aus und setzen heftige Reaktionen frei. ... +


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