Helnwein ( presse )
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Gottfried Helnwein : self-portrait as sub-human I
Stuttgarter Zeitung
Feuilleton
Gerhard Hesler
Wolfgang Bauer und Gottfried Helnwein in der Galerie Harthan
Ein Könner bricht mit seinem Können: mit einem spezifisch trivialen Fotorealismus, der soviel Empörung wie Aufsehen erregte. In der Galerie Harthan zeigt er bis zum 21. November Beispiele “reiner Malerei” aus diesem Jahr, große Hochformate in Öl und Acryl. Kultivierte Farbflächen mit vielsichtiger Abtönung, aufhaltsam monochrom angelegt – Farbsplitter halten den monochromen Zusammenklang auf. Unscharfe rote, blaue und grüne Streifen fallen in ungefährer Kopf-form, eine gebänderte Fechtermaske aus samtenem Schwarz. Das wandfüllende Diptychon “Selbstportrait Nr. 15 und 16” verhält sich am ruhigsten. In farbigem Schwarz und farbigem Weißgrau erkennt man jeweils eine Kopfkontur aus einer unten angeschnürten, ovalen Schlangenlinie. Kopfparaphrasen von maßvoll radikaler Sparsamkeit, solide nuanciert.
Jedes gemalte Einzelbild steht auch in einem zyklischen Medienzusammenhang. Helnwein arbeitet mit verschiedenen Medien, er malt nicht mehr fotorealistisch (sagt aber nicht: nie mehr), aber er übermalt Fotos. Auf dem Bildzwitter “Die Auferstehung” kehrt der bandagierte Kopf wieder, mit einer Mundklammer, die wie eine verrutschte Brille aussieht. Der altbekannte Gruselkopf hat gewonnen, er ist gewissermaßen zum tragischen Porträt geläutert, mit dem aufs Fotoschwarz gemalten Goyaschwarz, oder ein Antiporträt; der Speichelfaden, der aus dem Mund tropft, fällt aus jedem Porträtrahmen. ... +

Nürnberger Nachrichten
Nordbayrische Nachrichten - Fränkische Zeitung
W.F.
Gottfried Helnweins Projekt für Nürnberg
Zum fünfzigsten Jahrestag der Münchner Ausstellung "Entartete Kunst" plant der Maler Gottfried Helnwein ein spektakuläres Projekt in Nürnberg. An einem Tag im November will er im "Goldenen Saal" des einstigen Reichsparteitags-Geländes eine Kunstaktion gegen den Ungeist starten, der erwünschte Kunst verfemte, die Künstler verfolgte - und der auch nach dem Ende der Nazi-Herrschaft unterschwellig weiterlebt. ... +

Abendzeitung
Feuilleton
Helnwein, der - wie bereits berichtet - in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Thomas Wördehoff und dem Schriftsteller Tobias Biancone für den 50. Jahrestag der Münchner NS-Schau "Entartete Kunst" im November am Nürnberger Originalschauplatz mit einer "begehbaren Skulptur" Antworten geben will auf Verdrängungsprozesse, plant eine Performance über der Schmerzgrenze: Neben einer Präsentation neuer Helnwein-Bilder zum Faschismus-Thema sollen in einer "Art Ausstellungs-Oper" der "Gesang der Arier", ein "Tanz der Untermenschen" und ein "Euthanasie-Ballett" mongoloider Kinder den Mythos aufbrechen. Helnwein ist sich bewußt, ein heikles Thema anzuschneiden ... +

ZYMA, Feuilleton, Kunstmagazin
Harry Steinkamp
Hinsehen und wiedererkennen. Dieser Reflex steht am Anfang der Auseinandersetzung mit den Arbeiten Gottfried Helnweins und ist zugleich programmatisches Element einer lesbaren Kunst. ... +
Gottfried Helnwein, one-man show

Gottfried Helnwein : The Silent Glow of the Avant-Garde I (triptych)
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Peter Gorsen
Die suggestiven Bildmontagen Gottfried Helnweins
In Wirklichkeit ist Helnwein kaum einzuordnen. Bei ihm findet sich ebenso ein kleinmeisterliches Werk skurril-phantastischer Zeichnungen in der Nachfolge von Redon und Kubin. Meist vergessen wird auch sein Engagement gegen autoritäre Erziehung, Wettrüsten, Verschmutzung der Umwelt und Psychiatrie. Helnwein hat die Motive und Formen der Populärkultur in teils karikierender, teils grotesk verfremdender Absicht verwendet. Sein penetranter Hypernaturalismus beunruhigt, grenzt an ironische Übertreibung. Die Brecht-Benjaminsche Maxime "Nicht an das gute Alte anknüpfen, sondern an das schlechte Neue" hat bereits seine Anfänge in den frühen siebziger Jahren bestimmt.
So wurde für ihn das grenzüberschreitende Arbeiten mit Mitteln ebenso der Fotografie, Comic strips, Science-fiction wie der realistischen Malerei eine selbstverständliche Konsequenz.
Helnwein hat den "ruhig theatralischen" Verzückungsgestus seines Selbstbildnisses mit der heroischen Haltung der leidenden Sebastians-Figur verglichen und beides zum Stigma des Künstlers im 20. Jahrhundert, einer quasi religiösen Erlöserfigur, verallgemeinert. Sein poetischer Bildtitel bringt den Betrachter zusätzlich auf die richtige Spur. Die optische Montage des modernen Künstlers als Schmerzensmann mit dem Landschaftsbild Friedrichs projiziert die gescheiterte Hoffnung der romantischen Rebellion auf die Gegenwart, auf das verinnerlichte, masochistisch gewordene Protestdenken der Moderne und ihre ästhetischen Grenzüberschreitungen. Kehrt die Romantik wieder? Nein, sie hat die Moderne in Wahrheit nie verlassen. Doch verengt und verinnerlicht sich ihre Rebellion in den irrationalen "Körpermetaphysiken" der zeitgenössischen Künstler auf das eigene Fleisch und Blut. ... +

Gottfried Helnwein : Gottfried Helnwein and Heiner Müller
DER TAGESSPIEGEL
Carla Rhode
Diskussion in der Volksbühne über "Gewalt, Antike, Sexualität."
Podiumsdiskussion mit Hans Neuenfels, Heiner Müller,Ernest Bornemann und Gottfried Helnwein.
...Zu vorgerückter Stunde gab es dann noch einen kleinen Höhepunkt, als Helnwein von der "Magie der Bilder " sprach und erstaunliche Reaktionen auf seine Hitler-Gemälde schilderte.
Plötzlich entstand so etwas wie Nähe zwischen ihm und dem Publikum.. ... +
Gottfried Helnwein, Diskussionsrunde in der Volksbühne, Berlin

Gottfried Helnwein : self-portrait as sub-human II
Kurier
Wien
Herbert Hufnagel
Der 36 jährige Maler soll Rudolf Hausners Nachfolger am Schillerplatz werden
In der Kunstszene rumort's - und selbstverständlich sind die Lager gespalten: Gottfried Helnwein, 36 jähriger Maler mit dem Prädikat "Schocker", soll als Professor in die Akademie am Schillerplatz einziehen. So wünscht es sich zumindest Professor Hausner, der aus Altersgründen die Leitung seiner Meisterklasse abgibt und dabei von seinem Vorschlagsrecht Gebrauch machte. ... +

Süddeutsche Zeitung
eve
Mit dem 40,000. Besucher der Helnwein-Ausstellung rechnet das Stadtmuseum an diesem Sonntag.
Gottfried Helnwein hat sich zu diesem Anlaß etwas Besonderes ausgedacht: Er wird den 40,000. Gast für einen Tag in sein Atelier nach Wien einladen und ihm außerdem eine Originalgraphik schenken. ... +

Gottfried Helnwein : Roter Mund ( Detail )
Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt
Erika Brenken
Die Kunst von Gottfried Helnwein - Erfolg und Kritik
Die Provokationen des 34jährigen Künstlers sind subversiv und klammheimlich.
Sie packen den entsetzten Betrachter eben da an, wo die antrainierten Verdrängungsmechanismen sonst so gut funktionieren.
Das wird am deutlichsten bei Helnweins Kinderbildern. Zarte pastellfarbene Zeichnungen, die zum Horrortrip für den Betrachter werden. Die sanften Kindergesichter sind durch Verletzungen furchtbar entstellt. Hasenscharten, Narben, Wundmale, Klammern, Kanülen, Bandagen.
Der Anblick ist kaum auszuhalten. Aber was bedeutet das schon gegen die täglich von vielen tausend Kindern erlittenen Schmerzen, Qualen und Folterungen?
Helnwein denunziert nicht die Kinder - das häufigste Missverständnis, mit dem man sich gegen seine Kunst wehrt - sondern unsere Neigung, vor dem Leiden die Augen zu verschliessen.
Der Künstler entlarvt das Bedürfnis nach heiler Welt (oft nur eine Form von Abgestumpftheit) als unmoralisch, als Angst vor der Realität .
Ein Moralist mit sadistischen Mitteln. ... +
Gottfried Helnwein, Monographie, Orac-Pietsch Verlag, Wien

Gottfried Helnwein : Roter Mund (Red Mouth)
Süd-Ost Tagespost
G. Brugner-Rosenbaum
Dieser junge Künstler malt das lautlose Sterben voll poetischer, melancholischer Schönheit.
Für mich ist er gleichsam ein Handke unter den Malern, ein exakter Beobachter, der bei seinen Mitmenschen die Innenhaut nach aussen stülpt und sie somit demaskiert.
Die gemalten Schreie bleiben ungehört, zerbrechen klirrend an unsichtbaren Wänden
und gefrieren in der Kälte der Einsamkeit.
Der Mörder ist zugleich auch der Ermordete, im unschuldigen Kind steckt der unberechenbare Dämon. Alle sind gespaltene Existenzen, sadistische Masochisten,deren Gesichter von einer hilflosen und erbarmungswürdigen Hässlichkeit geprägt sind. ... +
Zum Erscheinen der Helnwein - Monographie im Orac -Pietsch Verlag, Wien


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